Über gute oder schlechte Designer und Zufälle. Eine Stellungnahme!

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Visual forward Festival auf Tragetasche

Man sagt, dass es keine Zufälle im Leben gibt. Nun persönlich glaube ich nicht unbedingt daran, weil Dinge einfach passieren dürfen. Und so denke ich, passieren auch Zufälle. Und doch war mein Weg zu diesem Artikel von verschiedenen Zufällen, oder Momenten wie ich sie nennen möchte geprägt. Lange Zeit habe ich überlegt, diesen Artikel zu schreiben. Aber es muss, und es darf sein …

Forward Festival

Vor einigen Monaten habe ich mich, da ich es dieses Jahr nicht nach Berlin oder Barcelona geschafft habe, für das Forward Festival in Wien angemeldet. Eher aus Jux und Tollerei, da ich etliche der Vortragenden erst kürzlich andernorts gesehen hatte. Und weil ich mir nach langer Zeit wieder mal einen Vortrag von Stefan Sagmeister gönnen wollte. Vorweg, ich schätze Herrn Sagmeister so wie jeden anderen Kollegen, jede andere Kollegin. Im Gegensatz zu vielen anderen, bin ich aber nicht der Meinung, dass sein legendäres Stones-Cover so richtig toll ist. Nein, ich denke, dass es da wirklich viel bessere Arbeiten gibt, welche (in kleinen Ausschnitten) auch im Rahmen des Vortrages in Wien präsentiert wurden.

Ja der Vortrag in Wien … groß war meine Freude auf seine Vortrag über das Thema „Why Beauty Matters“, also grob gesagt Schönheit im Design. Richtig gut fing er an, mit einem kulturhistorisch fundierten Schnelldurchlauf der kulturellen Menschheitsgeschichte, bis wir (maßgeblich) bei Adolf Loos und Vertretern des Bauhaus ankamen … Da zerriss es mir das Herz. In knappen Sätzen machte Stefan Sagmeister die zuvor genannten Herren für jeden scheußlichen Plattenbau rund um den Globus verantwortlich. Als Erklärung dafür, warum denn diese drei Herren designtechnisch so in die Scheiße gegriffen haben, fand man dann Gründe wie eine belegte Tätigkeit für die Nationalsozialisten oder bei Loos eben dessen pädophile Vergangenheit …

Plakativ, populistisch, billig und traurig!

Ich war sprachlos … natürlich sind, die belegten „Fehltritte“ der drei Herren furchtbar und mit nichts zu beschönigen. Mit diesen Begründungen aber drei der wichtigsten Designer des vergangenen Jahrhunderts schlecht zu machen, das geht gar nicht! Schon gar nicht unter Kollegen. Man mag über Stile, über Qualität, über „Handschriften“ gerne diskutieren, aber wegbereitende Arbeiten aus persönlichen „Was-auch-immer-Gründen“ schlecht zu reden ist plakativ, populistisch, billig und traurig! Insbesondere aufgrund der Tatsache, dass das Publikum beim Forward-Festival ein weitestgehend junges war. Großartige junge, kreative Menschen, die auf Aussagen eines Design-Rock-Stars wie Stefan Sagmeister zählen. Die an seinen Lippen hängen und Vorbilder suchen. Vorbilder, über welche in wenigen Minuten verhandelt, geurteilt und gerichtet wurde … Vorbilder, die wie ich meine, jeden von uns, auch den Vortragenden auf eine besondere Art und weise beeinflussen.

Ich bin vor Ende des Vortrages aufgestanden und habe das Festival für mich beendet. Zum ersten Mal in meinem Leben war ich nicht einfach nur verwirrt. Ich war zutiefst enttäuscht, wie wir Menschen manchmal miteinander umgehen … Damals wollt ich gleich mal losschreiben, habe meine Gedanken aber mehrmals verworfen, bis die Chefredakteurin eines Architekturmagazines, welches ich gestalten darf, zu  mir kam – mit einer Geschichte über Architektenhotels. Eine Geschichte, in der just die zuvor genannten Herren, eine tragende Rolle spielten. Und ich dachte: „Zufälle? Gibt es nicht ;-)“

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